Donnerstag, 10. Dezember 2015

"Woran merkt ein Mensch dass er alt geworden ist?"

Sati im Kommentar zu meinem Kommentar:

"Hattest Du einst "Pläne" - wie Du einst ins Alter gelangen willst?
Und - wenn ja - hat es geklappt?"

Mondanomaniac "einst" vor 35 Jahren mit 38:

"Du must zurück 

Früher nannte man es Paradies, zeitweise hieß es ELDORADO. Dann merkten wir, daß das Paradies und das Eldorado nicht existieren. Dann sagten wir - noch nicht.
Du mußt zurück heißt: wir entfernen uns in unserem Leben von unserem Ausgangspunkt - der Geburt - immer weiter weg - bis zu dem Wendepunkt: wo wir beginnen zurückzukehren, wenn wir ein Baby - einen neuen Menschen- auf den Weg geschickt haben, maybe uns selbst.
So wie wir - jetzt Eltern - einst die Augen aufgemacht haben - wir Babies - so jetzt unsere Kinder. Und gleich ihnen jetzt erlebten wir das Jetzt als Chaos! Und Trost! in verschiedener Zuteilung. Und da waren Eltern und da war eine Mama und da war ein Papa. Wir verdanken ihnen unser Überleben, aber, WIR DANKEN ES IHNEN NICHT und das mit gutem Grund.
 Das ist ihre Tragik - ihr Elend, ihre Einsamkeit - ihr Leben aus Konserven (wohl denen, die noch eines der seltenen Reservate von Natur - in Gartenform dieser entfernt ähnlich - um sich haben).
Wir sind auf dem Weg, so verwundbar, gebrechlich, hilfsbedürftig zu werden, wie wir es als Baby waren.
Werden wir hilflos wie unsere Eltern sein, werden wir hilflos wie unsere Großeltern als die Katastrophen hereinbracher? Als unsere Eltern  ihrer Hilflosigkeit ausgeliefert waren?
Wir mögen, wenn wir alt und hilfebedürftig sind, als selbständige ganz besondere - nämlich alte -  Menschen geschätzt und gepflegt werden.
Wir mögen uns von unseren Kindern erklären lassen, was wir nicht verstehen ... wir mögen für sie als Alte so ..., ja, wie?
Ob wir als Alte mit unseren Kindern ein liebevolles Verhältnis haben? Mit ihnen leben? Mit unseren Enkeln? In einem Haushalt? Wenn wir sie nicht herablassend behandeln, unsere Kinder und nicht wegschieben, dann werden wir als Alte von ihnen nicht herablassend behandelt und nicht weg geschickt oder verlassen werden.
Wie köstlich die Vorstellung, wir hätten - weise, sanfte und feste Eltern und Großeltern in der Wohnung, solche die mit uns so respektvoll umgehen, wie wir es uns wünschen und wir so mit ihnen - also:
Wir müssen zurück  - nicht vergessen!"

Und, so Sati,  "hat es geklappt?"

Natürlich hat es geklappt. Das Echo von Respekt und Freundlichkeit ist, wie ich annahm,  Respekt und Freundlichkeit.
Gemeinsame Wohnung nur besuchsweise, da das Kind (nun selber 38) zurück in seine Geburtsstadt gezogen ist, und der "Enkel" ist erstmal ein junger Hund. Aber sonst passt alles.
Entscheidend war dieses Konstatieren mit 38: du bist ab jetzt auf dem Rückweg. Und den bin ich ab dann bewusst gegangen mit offenen Augen bis heute.

Und hier zum Vergleich meine Konstellation zu der Zeit wo ich begann Tagebuch zu schreiben und das "Du mußt zurück" schrieb:

* 26.2.1942, Transit Ende September 1980 

Murnau, 10.12.2015, UTC 12:57


Kommentare:

  1. "Natürlich hat es geklappt. Das Echo von Respekt und Freundlichkeit ist, wie ich annahm, Respekt und Freundlichkeit."

    Oh - danke - für diese Deine Antwort.
    Und wie gut, daß es gelingen kann.
    Das - was im Grunde offen liegt - aber dennoch so Vielen von uns verborgen bleibt.
    Gratuliere - im Nachgang - wenn auch sinnfrei - zu doch sehr frühem Erkennen - also mal in Jahren gemessen - was eh nicht recht passen kann - im Ewigen quasi.

    Wenn ich bei mir nachsehe - habe ich wohl ein wenig später begonnen und hatte noch zu lernen (wie natürlich immer noch) - und mit ganz anderer Geschichte.

    Aber ohne Deine feinen Zutaten da oben - gibt es kein gutes Gericht. Also gleich hier, nicht irgendwann mal ... oder irgendwo.

    Chapeau. Lese erst jetzt - wie jung Du bereits Deine eigene Widerständigkeit aufgegeben hast (also so eine Karriere/Barriere der "poltischen" oder anderen Art).

    Muß hier nochmal mit einer Frage schließen: Ist es also doch - eine Frage der Entscheidung?

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  2. Antwort: Nein, nicht Entscheidung, sondern "es" war reif geworden. Was? 10 Jahre lang in den Siebzigern Kommunistischer Bund. Davor jahrelang "wilder" linker Hedonismus auf den Spuren von Karl Marx und Timothy Leary.
    Schließlich reichte es und ich war mit 38 in nichts verwurzelt, keinen Plan,keinen Platz, keinen Job etc., nur die Freundin, das Kind mit ihr und das viele Denken und die Einsicht, man hat in Wirklichkeit nichts bewegt und künftig werden die Kräfte nachlassen. Ich war also nach all der Weltrettung ganz bescheiden geworden und dachte, das Einzige worauf du noch Einfluss hast, bist Du selber.

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  3. Danke nochmal - für solch ehrliche Antwort.
    Kann ich was draus lernen.
    (Falls die Zeit reif sein sollte ...)

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