28.5.2010, 1:24, Bayer. Oberland
Eintritt des Uranus in den Widder
Diesen Frühling erlebt die Menschheit nur ca. alle 84 Jahre einmal: den Eintritt des Uranus in den Widder. Der letzte Himmelsfrühling fiel auf den 1. April 1927.
Himmel und Erde liegen einander als zweiter der sechs Spiegel im Tierkreis mit dem Luftzeichen Wassermann und dem Erdzeichen Stier gegenüber.
Da wir – fast nur noch im Angesicht drohender Vernichtung - beten: „Vater unser, der DU bist im Himmel …“, ist dieser Eintritt des astrologischen „Herrn des Himmels“ in die untere Hälfte des Tierkreises, in die – christlich mittelalterlich gesprochen - „feurige Welt der Verdammnis“, ein Datum, das für unsere, von Natur aus religiöse, unbewusste Psyche voller Sinn ist.
Rein formalastrologisch bedeutet der Eintritt eines Lichtes/Planeten aus den Fischen in den Widder stets den Übertritt aus der Latenz in die Sichtbarkeit der Erscheinung, mit anderen Worten: die Geburt. Menschengott Uranus in den Fischen heißt: der Himmel ist schwanger mit dem Menschen – Uranus Eintritt in Widder bedeutet für den irdischen Menschen: die Flügel sind angekommen.
Von Astrologen abgesehen ist das ein Geschehen, dass sich tief in unser aller archetypischem Unbewussten vollzieht. Wenn allerdings am 6. Juni Jupiter, der Herr der erkennenden Einsicht, dem Uranus in den Widder folgt und sich zwei Tage später punktgenau mit ihm vereinigt, dann mag etwas davon, an die Oberfläche der Erscheinung (=Widder) tretend, im Sinne einer Fügung anschaulich werden.
Die Geschöpfe des Wassermanns sind die geflügelten, Vögel, wie Gedanken.
Wenn man die beiden Hälften des Tierkreises in ihrer komplementären Vollständigkeit summarisch unterscheidet, so kann man sagen: oben ist die Hälfte des Sinns und unten die Hälfte des Nutzens.
Was damit gemeint ist? Nehmen wir eine Kathedrale: „oben“ das (innere) Bild und die Pläne, „unten“ der Haufen Holz, Steine, Glas, usw. oder der Mensch: oben die Psyche (=die Anordnung), unten das Fleisch.
Daraus ergibt sich auch: der Mann denkt den Sinn und lebt den Nutzen, die Frau aber, sein komplementäres Gegenstück, ist der Sinn und sie denkt den Nutzen.
Diese Art der Unterscheidung folgt der Gegensatzstruktur im Universum. Alle Einheiten sind aus Gegensätzen aufgebaut.
Allein, um der astrologischen Ordnung zu folgen: allein im Aszendenten erscheint der Gegensatz Himmel/Erde, oder Sinn/Nutzen, noch ungeteilt. Dem entspricht, dass das Kind der ersten sieben Lebensjahre, wie C.G.JUNG sagt, „noch alles weiß“, es weiß es nur nicht. Damit ist „das Kind“ psychologisch ein Gottessymbol, ein Symbol der ungeteilten Ganzheit des Archetyps.
In den zweiten 7 Lebensjahren, beim Durchgang durch die Himmelshäuser des Wassermanns und des Stiers (im individuellen Horoskop: Haus 11 und Haus 2), kommt es zur Spaltung des Archetyps, das nennt die Sprache den Ursprung. Der Ursprung ist der erste Schritt, ist „Schöpfung“ aus der Vollständigkeit und Dunkelheit des „Meeres“ des Unbewussten heraus in Richtung Helle des Bewusstseins.
Diese also, die Spaltung des Archetyps der Ganzheit und Einheit, welcher in der Psychologie als „Selbst“ bezeichnet wird, diese ist es, die, als erster Schritt in Richtung Bewusstseinshelle, mit Uranus im Widder zur Erscheinung wird. Diese Spaltung bedeutet, dass wir nicht mehr verdrängen können, dass, um es einmal aktuell auszudrücken, der unregulierte homo oeconomicus nicht nur ein zivilisierter Bürger, sondern zugleich ein spekulierender Teufel ist.
Dem ging ein Äon früher, nämlich im „Fische-Zeitalter“ voraus, dass die Kirche diese Gegensätzlichkeit (den Teufel) abspaltete und verdrängte und damit sich selber zum Ort des Heils erklärte aber zugleich zum Ort der Hölle wurde, wo Ketzer und Hexen gebraten, und mehr oder weniger große Teile von Bevölkerungen in Glaubenskriegen geschlachtet wurden.
Im neuen Äon des „Platonischen Jahres“, dem „Wassermann-Zeitalter“ ist diese Unbewusstheit der universalen, also göttlichen und also menschlichen Gegensatzstruktur nicht länger haltbar. Darüber hat 1950 C.G.JUNG „Aion“, ein grundlegendes Werk geschrieben, aus dem folgendes Zitat stammt:
„Wenn wir in der traditionellen Gestalt Christi eine Parallele zur psychischen Erscheinung des Selbst erkennen, so entspricht der Antichrist dem Schatten des Selbst, nämlich der dunklen Hälfte der menschlichen Totalität, welche man nicht zu optimistisch beurteilen darf. Soweit unsere Erfahrung reicht, scheinen Licht und Schatten in der menschlichen Natur so gleichmäßig verteilt zu sein, dass die psychische Ganzheit zum mindesten in einem eher gedämpften Licht erscheint.“
C.G.JUNG, Aion, Ges. Werke 9/II, S. 52
Im Lichte dieser Einsicht erscheint das schrankenlose Riskieren der Schöpfung zugunsten der finanziellen „performance“ spekulativer Optionen des reichsten Tausendstel der Gesellschaft als derselbe Wahnsinn, wie das ebenso motivierte Riskieren der Wohlfahrt des Planeten zugunsten der militärischen „performance“ vor 70 Jahren. Das amerikanische Volk lernt diese Lektion gerade voller Entsetzen, nämlich die, dass eine moderne Kirche des Profits wie die BP genauso ein Ort der Wohltat, wie ein Ort des Satans ist, wie es vor tausend Jahren Rom sich anschickte, einer zu werden.
Dieses also, meint Mundanomaniac, ist es, was lebendige Gottheit, ausgedrückt als „Himmel“, im Begriff ist, seinen Geschöpfen in Erinnerung zu rufen: misstraut Euch, sichert Euch gegen euren satanischen Drang, trennt euch von der Lüge der ausschließlichen Güte Gottes und des Menschen.
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Aber auch dieses gehört heute ins Mundane Tagebuch: In das Schweigen, das Mundanomaniac umgibt (Kommentare), traf zum ersten vollen Tag des Uranus im Widder folgender Brief ein:
Hallo …
vorab:
Es vergeht keine Woche ohne die Lektüre deines Blogs! Vielen Dank für diese tolle Möglichkeit!
Ich wünschte zwar, ich hätte ein besseres mathematisches Verständnis, denn Dein großartiges, ja heiliges Handwerkszeug erschließt sich mir verdammt schwer.
Aber ich genieße die Seelenbilder, die radikale Wahrheit, aufgeteilt in 12, sich verbunden wiederfindend in 1. Ja, eins ist klar: wir können nicht aus der Welt fallen. Das Leben lebt sich selbst, wir brauchen nur nach oben schauen und ganz ohne Angst mitspielen. Dann muss ich in letzter Konsequenz nichts wissen.
Zu diesem Nichtwissen kann die Wissenschaft der Astrologie auch beitragen.
Paradox, nicht wahr?
Warum ich das alles schreibe?
Es gibt noch etwas was ich regelmäßig lese:
Dort schreiben viele interessante Leute. Es geht um Wirtschaft, Elliot Wellen und mehr...
User "throne" verlinkte kürzlich einen Astrologie-Beitrag. Er schrieb:
"Man lese zeitig bei jenen, die schon zu allen Zeiten aus den Sternen die Zeiten lasen."
http://astrologieklassisch.wordpress.com/2010/05/16/kommt-wahrungsreform-falls-ja-wann/
Da hab ich zum allerersten mal eine Leserzuschrift geschrieben, nur ein Satz:
Da hab ich zum allerersten mal eine Leserzuschrift geschrieben, nur ein Satz:
"Ein exzellenter Astrologie-Blog befindet sich hier" - und dann Dein Link.
Er hat sich bedankt, er kannte Dich noch nicht, und heute gleich nochmal:
Originalzitat:
"Hallo Ursula,
wollte nach eingehender Zurbrustnahme Ihrer Empfehlung nochmals rechtherzlich für den Tip danken. Besagte Seite ist hervorragend!
Gefällt mir ausgesprochen gut. Wortgewandter kluger Mensch der Herr. Ganz nach meinem Geschmack.
Grüße! throne"
Mensch, hat mich das gefreut!
Ich hoffe es geht Dir auch runter wie Öl.
LG Ursula
Dieser Brief hat nach zwei Wochen zunehmender Seelen-Verdüsterung dem Chronisten die Seele wieder hell gemacht. Und der elende Nackenschmerz ist von dieser Medizin wunderbarerweise auch weggeblasen worden, wie als hätte ein Christophorus am anderen Ufer seine Last abgesetzt.
Daher: Halleluja! "Kommt ins Offene, Freunde ..." (Hölderlin)
Gespeichert: 30.5.2010, UTC: 16:52, gepostet: 17:12.

