Donnerstag, 26. Januar 2012

Neubearbeitung: Vor 67 Jahren: Öffnung der Todesmühle


27.1.2008
Heute Morgen beim Sonntags-Semmelnholen ging mir durch den Schädel: Auschwitz, heute also, 27. Januar, Tag des Menschenrechts auf Befreiung: Lager Auschwitz, befreit durch Offiziere und Mannschaften der "Roten Armee" im Angriffsstreifen der 1. Ukrainische Front.

   27.01.1945  KZ Auschwitz wird von Sowjets befreit

    Kurz nach Mittag am 27. Januar 1945 erreichten Einheiten der 1. Ukrainischen Front auf ihrem Vormarsch nach Westen das Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz. Den Soldaten bot sich bei ihrer Ankunft ein Bild des Grauens. Die Leichen von etwa 650 der zuletzt umgekommenen Lagerinsassen lagen unbestattet auf dem gefrorenen Boden, 7.600 Menschen, die meisten bis zum Skelett abgemagert und dem Hungertod nahe, wurden lebend geborgen. Die Versuche der Nationalsozialisten, die Spuren ihres barbarischen Treibens zu vernichten, waren nur unzureichend durchgeführt worden. Fassungslos standen die sowjetischen Soldaten vor den Überresten der gesprengten Gaskammern, Krematorien und den langen Massengräbern, in denen nur ein Teil der Leichen der etwa drei Millionen Menschen lagen, die seit Herbst 1941 hier auf bestialische Weise umgebracht worden waren. Viele Leichen waren in den Krematorien verbrannt, ihre Asche fortgeschüttet worden. Schon im November hatte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Räumung des Lagers angeordnet. Am 18. und 19. Januar waren schließlich 98.000 der letzten Häftlingen in langen Kolonnen von bis zu 2.500 Personen aus dem Lager fortgeschafft worden. Einigen von ihnen stand ein hunderte Kilometer langer Fußmarsch bevor, Tausende von ihnen wurden, beim ersten Anzeichen von Schwäche oder Erschöpfung von den sie begleitenden SS-Einheiten erschossen. Am 25. Januar wurden zum letzten Mal Juden in Auschwitz erschossen; insgesamt 350 Männer und Frauen die zu schwach für den Marsch waren. Anschließend verließen die letzten SS-Trupps das Lager, nachdem sie zuvor die fünfte und letzte Gaskammer des KZs gesprengt hatten. Zurück ließen sie über 8.000 Häftlinge, von denen über 600 noch vor der Ankunft der Sowjets zwei Tage später an Entkräftung, Kälte oder Unterernährung starben.

Ich kannte die Leichenberge von Auschwitz und Bergen -Belsen aus der Schulzeit: „Nacht und Nebel“, wir waren klassenweise in dem  französische Dokumentarfilm von Alain Resnais ...
    „Resnais Dokumentarfilm ist eines der wichtigsten filmischen Werke über die deutschen Konzentrationslager. Mit größter stilistischer Zurückhaltung und einer äußerst sensiblen deutsche Fassung durch Paul Celan wird eine Darstellung des Grauens erarbeitet, in der die zeitgenössische Wirklichkeit von Auschwitz/Birkenau mit den Dokumenten der Alliierten Wochenschau-Bilder konterkariert wird. Ein Film aus der Erinnerung des Nichtschilderbaren heraus: Er antizipiert die Unmöglichkeit, den Holocaust zu dramatisieren und desavouiert alle wohlfeilen Versuche, die Geschichte dieser Monstrosität "zu erzählen".“– Lexikon des internationalen Films

Bulldozer schoben zu Skeletten abgemagerte Menschenleiber zusammen in grausige Gruben. Bilder, die ich nirgendwo hinsortieren konne.

Und offenbar war ich irgendwie abnorm, denn keinem in der Klasse, außer mir, ist so etwas eingefallen, wie in der Jahresabschlussarbeit über die Toten zu schreiben. Ich schrieb im Fach Deutsch über das Gedicht des jüdisch/deutschen Dichters

Paul Celan,

    Todesfuge.

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
    wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
    wir trinken und trinken
    wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
    Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
    der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
    er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne und er pfeift seine Rüden herbei
    er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde
    er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
    wir trinken und trinken
    Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
    der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar   Margarete   
    Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt  man nicht eng

    Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr anderen singet und spielt
    er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
    stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
    wir trinken und trinken
    ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
    dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

    Er ruft spielt süsser den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
    dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
    der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
    er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
    ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
    er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
    er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

    dein goldenes Haar Margarete
    dein aschenes Haar Sulamith

Über die toten Juden und - wenn ich mich zu den Toten wende – euch, tote Juden -  wie auch euch hoffnungslos Eingeschlossene bei Minsk, Kiew oder Stalingrad und anderswo - war doch unser Leben gewölbt. Manchmal Mal habe ich mir gedacht, wovon sie wohl geträumt haben mochten, in der Stille längerer Gefechtspausen, unter sommerlichem Himmel auf dem Rücken liegend mit dem Blick hoch zu den wandernden Wolken : Von einem Spaziergang mit der Liebsten , einer Wanderung in den Bergen im Frieden, gemeinsamem Einschlafen ohne Angst, Arm in Arm, und immer war mir klar: das ist das Wichtige im Leben.

Die Sterndeuterei, die vor einem viertel Jahrhundert zu mir kam, ist, das bilde ich mir ein, ja nicht nur für uns Lebende interessant sondern auch - wieder zu den Toten gesprochen - für Euch, und, ich bin mir sicher, es ist ein großer Schritt für Euch, wenn wir sie lernen, etwa ein Schritt wie damals, als wir Lesen, Schreiben, Rechnen lernten – neue Sprachen, neues Licht, neue Fragen neue Antworten.

Ihr, auch wenn wir nicht an Euch denken, seid die Nahen, wer denn sonst?

Jedenfalls – Euch, dort wo Ihr jetzt seid, interessiert es, so fühle ich, genauso wie mich, ob wir Leben und Symbol zusammenbringen, zu den ewigen Gegensatzpaaren.

                                                                        Symbol

                                                                      ________

                                                                          Leben

oder Licht und Dunkelheit, oder Tag und Nacht, oder männlich und Weiblich zwischen                                
                                                     Unbewußt ------------ Bewußt

Warum, warum ahne ich die Nähe der Toten so? Aus innerlich rieselnder Theologie, aus Gottesgemurmel in der Seele? Die sagt, dass der Geist, nach dessen Taktstock Bild und Schleim zu Muskeln und Knochen, Adern und Sehnen, Zellen, Säften und Strömen kurz zum Menschenkind von Selbst zusammenwachsen, jener Geist der nanofein auf Posten zu sein und  alles zu wissen scheint - diesem Geist sollte nichts eingefallen sein zu Tod und Jenseits der denkenden Sterblichen? Menschentod - ein Unfall Gottes?

Ich jedenfalls wünsche mir, auch im Tod denjenigen Toten nahe zu sein, denen ich schon im Leben nahe war, zum Beispiel "meinem" Physiker und "meinem"Psychologen, und unzeitgemäß wie das "mundane Tagebuch" ist, mag es Einsame kommender Zeiten dem dann gestorbenen mundanomaniac nahebringen ...

Die Todesmühle Auschwitz war ein Kind der vierziger Jahre, gezeugt von den Zauberern der Dreißiger.

Zurück also zum magischen 30. Januar, 12 Jahre früher. An diesem Tag gab es:

„Die Machtergreifung des Führers“, ein Gesamtkunstwerk. Dazu passend in den folgenden Jahren die Kulte der Aufmärsche, der Symphonieorchester und Wagneropern.

Will sagen, es war ein bleiches deutsches Grüblerkunstwerk, komponiert in Salons der Weimarer Republik, gekocht auf den Straßen, schwerindustriell gesponsert, während des kairos des Jahre 1932 – 1933, sichtbar im Äquinoctium 1932/33, …


20.3.1932, UTC 20:58
Nordhalbkugel

Es war  einmal ein Äquinoctium, das sah zwei Machtergreifungen und zwei Männer  in diesem Jahr die alles neu machten…

Der eine im Herbst, der andere im Winter.

Der Letzere war ein Künstler, der nicht in Wort oder Bild, sondern, widderrot, in Blut und Fleisch arbeiteten wollte, ein Künstler vielleicht von der Art, wie er seinem Volk nur einmal in Tausend Jahren zugemutet wird. Das jedenfalls hatte er erkannt. Und es war dieses das Jahr, das seine Stunde sah…

… aber es sah auch die Stunde des "anderen Mannes" eines echten Sehenden, eines Menschen - Adlers - der seinem großen Land und nicht nur diesem, sondern dem ganzen Planeten ... im richtigen Moment, geschenkt worden war, der in diesem Äquinoctium die Tür öffnen durfte zur neuen, zur Menschen- Zeit in den frühen Stunden des Wassermannzeitalters ...

In keiner anderen astrologisch feststellbaren Schicht steht überhaupt das "Wassermannzeitalter" so konkret in der Tür, oder stehen wir so konkret in seinem Eingangsflur, wie bei den Äquinoctien zu Frühlinganfang bei 0° Widder.

Es ist ja gerade die (gedachte) Verlängerung der Achse Erde - Sonne über die Sonne hinaus in den Weltraum, die jedes Jahr am Äquinoctium als ein kleines Stück weiter gewandert erscheint in ihrer langsamen Rückwärtsbewegung durch den Kreis der Sternbilder: Platonisches Jahr von 25.850 Jahren.

Die Hausnummern in der neuen Frühlings-Wassermanns- Himmelszeit haben jetzt die orangenen Ziffern... nach den grünen im Fische-Zeitalter.

Den Künstler aus Braunau haben wir ja vorgestellt, gestern, heute nun den Staats- und Vogelmenschen aus New York:


 30.1.1882  20:45 LMT New York
 Franklin Delano Roosevelt


   
Zum Äquinoctium vom 20.3.1932 nur soviel : der Merkur/Uranus Rausch steht im Widder, und rührt sich dort wo Mars steht - und - hat Quadratresonanz zum Pluto im Krebs. Tradition in der Mundanastrologie ist es, im Krebs „das Volk“ zu erblicken. Pluto, bildmächtiger Herr des Skorpions und damit der Opferung von Gegenwart zugunsten der Ahnen und der Ungeborenen  bringt alsozum Rausch des Uranus die Bindung an die alten Bilder des Volkes. Das langandauernde Quadrat von Uranus und Pluto, das  schon seit Frühling 1931  die Massen inspiriert, wird  es noch bis zum Jahr 1935/36 tun, wo die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes durch die Wehrmacht unter Bruch der internationalen Verträge eine Volksfeststimmung auf den Straßen auslöste. Die alten Bilder des Volkes, von denen die Deutschen ergriffen wurden, waren die des deutschen Mittelalters und in einer noch tieferen Schicht - Jung hat das 1936 dargestellt - war es die vergessene Gestalt des alten gemanischen Sturm- und Wandergottes Wotan, die schließlich in die ungeheuren Wanderzüge des zweiten Weltkrieges führte.

Die alten Bilder des amerikanischen Volkes dagegen sind andere, sind auch Bilder von Wandernden, aber hier der Einwanderer, Pioniere und Erschließer. Das gleiche Äquinoctium, 1932/33, zeigte so die Pluto-Opfer-Leitbild -Ladung nach Art des Krebs, "strictly local", daher in zwei völlig gegensätzlichen Erscheinungen.

Die "andere Machtergreifung" ist die der Vision von Franklin D. Roosevelt. Er versprach am 2. Juli 1932, dem Tag seiner Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten, einen "new deal for the American people", ein Begriff, der sich danach zur Bezeichnung der von ihm durchgeführten Reformen durchsetzte. Den Preis für die Vielzahl von staatlich finanzierten Projekten für die Wohlfahrt der amerikanischen Bürger, unter Beibehaltung des Kapitalismus, mußten indirekt die Besitzenden zahlen. New Deal war  letztendlich eine teilweise Umschichtung des nationalen Vermögens ... daher auf Dauer, trotz großer, auch moralischer, oder besser, ethischer Erfolge, zum Scheitern verurteilt...

Roosevelt war im Krieg sofort ein großzügiger Freund Englands und mit seinem Premier Churchill zusammen Sammler der neuen Völkergemeinschft unter dem Namen "Vereinte Nationen" .

    Wiki: In der Atlantik-Charta, welche die Gründungsurkunde der Vereinten Nationen vorwegnahm, einigte er sich mit Churchill auf die Grundsätze einer Nachkriegsordnung. Sie sollte auf den „Vier Freiheiten“ begründet sein. Diese hatte er bereits in einer Rede vom 6. Januar 1941 skizziert: „Von der Zukunft, die wir zu einer Zukunft der Sicherheit machen wollen, erhoffen wir eine Welt, die sich auf vier entscheidende Freiheiten der Menschheit gründet.
    Die erste Freiheit ist die Freiheit der Rede und der Meinungsäußerung – überall in der Welt.
    Die zweite Freiheit ist die Freiheit eines jeden, Gott auf seine Weise zu dienen – überall in der Welt.
    Die dritte Freiheit ist Freiheit von Not. Das bedeutet, gesehen vom Gesichtspunkt der Welt, wirtschaftliche Verständigung, die für jede Nation ein gesundes, friedliches Leben gewährleistet überall in der Welt.
    Die vierte Freiheit ist Freiheit von Furcht. Das bedeutet, gesehen vom Gesichtspunkt der Welt, weltweite Abrüstung, so gründlich und so weitgehend, dass kein Volk mehr in der Lage sein wird, irgendeinen Nachbarn mit Waffengewalt anzugreifen – überall in der Welt.
    Das ist keine Vision eines fernen tausendjährigen Reiches. Es ist eine feste Grundlage für eine Welt, die schon in unserer Zeit und für unsere Generation verwirklicht werden kann. Diese Welt steht in tiefstem Gegensatz zu der sogenannten 'Neuen Ordnung' der Tyrannei, welche die Diktatoren im Krachen der Bomben zu errichten suchen.“


 Äquinoctium , 20.3.1932, 19:58 UTC, Washington



Die Wahl Roosevelts erfolgte Anfang November

1932. Von da an bis zu seinem Tod 1945 führte er als großer Humanist die amerikanische Nation. An der Seite Englands führte er sie im Krieg gegen die deutsche Raserei und er leitete die Völker der Welt in Fortführung der Ideen seines Vorgängers Woodrow Wilson 1942 und 1945 in die friedliche Arena der Vereinten Nationen. Zur Wahl Anfang November, herrschte Steinbock über seinen Monatsabschnitt, Saturn Anfang Wassermann im sechsten Haus der Vorsorge.

 Äquinoctium 20.3.1932, 19:58 UTC, Berlin

Als am dreißigsten Januar, fast drei Monate später in Berlin die Uhren stehen blieben, war es die Zeit des Schützen - des im - Ziel-angekommen-Seins, und oben spiegelte Jungfrau die Zeit. Ihr Merkur spielte zusammen mit Uranus im selben sechsten Haus deutsch-verrückt , wo in Amerika der väterliche Archetyp das Steuer ergriffen hatte. Auch zeigte sich im oberen Spiegel der USA nicht mit Jungfrau der Archetyp des Sprechenden, wie in Berlin, sondern der gütige Archetyp der Fische, mit Neptun: Kindwerdung und Erneuerung des Lebens, Mond an Ort und Stelle, im ersten Haus. Und in der aufsteigenden Bewegung erfüllt sich ab diesem Fische - Abschnitt das Land mit dem Türen - Öffnen des Mars und dem beherztem "solaren" Zupacken einer vom Frühling geweckten Gesellschaft.

Gepostet 27.1.2012, UTC 16:54


Gespeichert: UTC 0:3

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