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Montag, 28. Juli 2008

Flut 2008 und Feuersturm 1943




28. 7. – 4. 8. 2008 in der Matrix des Tierkreises
und der Königskonjunktionen der vier Elemente
Feuer, Erde, Luft und Wasser
aus den Jahren 1603, 1802, 1980 und 1305


Zur Chronik der vergangenen Woche gehört eine Jahrhundertflut in der westlichen Ukraine. Von zahlreichen Toten und Vermissten ist die Rede, zu den weltweiten Ernteverlusten dieses Jahres kommt nun die Getreide-Ernte der West-Ukraine; hunderte Brücken seien zerstört, sowie das unersetzliche Gut, das den Menschen lieb war in den mehr als 20.000 Häusern, die unter Wasser stehen.

Äquinoctium 20.3.2008, UTC 5:48, Ivano-Frankiv, 48.58°N, 24.24 E
Das Äquinoctium zeigt Saturn und den Jungfrauen- Merkur als Herrscher seit dem Monatswechsel am 20. Juli und ab dem Gebiet westlich von Ivano-Frankiv ist Pluto im achten Haus mit seiner Sonnen- und Mars-Resonanz aktiv.


Und wieder erweist sich, dass Merkur/Saturn keine trockene Lage ist, wenn, zu einen, Merkur sich in den Graden der Fische aufhält. Zum anderen stellt Saturn immer den höchsten Punkt im Gelände dar und jede Erhebung melkt nun einmal die Wolken. Es muss nicht immer eine direkte Uranus- oder Neptun-Verbindung vorliegen, damit die Bäche und Ströme schwellen.
Bleibt anzumerken, dass die Ukraine-Flut sich ereignete in einer Woche intensiver „grüner“ Resonanz. ein Blick auf den Beitrag vom letzten Montag zeigt, dass Sonne und Merkur (Strahlung und Wind) in der vergangenen Woche durch die (Quadrat-) Resonanz zu Saturn/Jupiter (Berge) und Mond (Fluß) der Königskonjunktion im Wasser-Element gewandert sind.

Vom Wasser letzter Woche zum Feuer vor 65 Jahren und damit zur Fortsetzung des Berichts über die „Operation Gomorrha“ ab 25. Juli 1943, die das Ziel hatte, Hamburg in vier nächtlichen Großangriffen aus der Luft dem Erdboden gleich zu machen.

Im Feuersturm

Der zweite Angriff brachte das Inferno. Der damalige Leiter der Abteilung Technischer Dienst der Hamburger Feuerwehr, Hans Brunswig schreibt:
„Als in der warmen Sommernacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 um 23.40 Uhr die Sirenen zum „Fliegeralarm“ aufheulten, konnte kein Hamburger ahnen, welche Katastrophe der Stadt in den folgenden Stunden bevorstand.“[1]

Der Angriff, zu dem in den Abendstunden 739 Bomber gestartet waren, hat unseligerweise alle anderen übertroffen in punkto Zielgenauigkeit und Konzentriertheit. Der „Hamburg-Bericht“ sagt über die Lage in den Feuersturmgebieten:
„ … In solchen Gebieten entstanden in kürzester Frist durch … dichteste Brandbombenabwürfe eine ungeheure Anzahl von Bränden. Dabei ist besonders zu beachten, dass es nicht ausschließlich Dachstuhlbrände waren, sondern dass durch Phosphor- und Flüssigkeitsbrandbomben an vielen Stellen große Wohnhäuser von untersten Geschoß her schlagartig in Brand gesetzt wurden. Die Brände konnten sich mit rasender Geschwindigkeit entwickeln, da durch dichteste Spreng- und Minenbombenabwürfe Dächer abgedeckt, wände eingedrückt, Fenster und Türen aus Füllungen gerissen oder zertrümmert waren und damit das Feuer ungehindert reiche Nahrung fand. das Zwischenstadium der Entstehungsbrände, deren Bekämpfung bei früheren Angriffen möglich war, und zu den größten Erfolgen des Selbstschutzes in Hamburg geführt hatte, fiel aus diesen Gründen gänzlich aus. An viele Stellen entstanden so in kürzester Zeit Flächenbrände…“ [2]

Dazu herrschten meteorologische Bedingungen, die eine außergewöhnliche Schlotströmung der erhitzten Luft bis in große Höhen begünstigten, so dass am Erdboden aus allen Himmelsrichtungen ein wirbelnder Orkan von weit über Windstärke 12 durchs Brandgebiet tobte.
„Ein Zugwachtmeister des FE Dienstes:
… Beim Hammer Weg liegen Menschen auf der Straße. Wir steigen aus, um zu retten. Da gibt es plötzlich längs der Landstraße eine gewaltige Stichflammenbildung, der ich durch Vorlaufen zu entrinnen suche. Der Fahrer konnte durch Wendung des Fahrzeugs nach der Horst-Wessel-Straße entkommen. Der Feuersturm ist Orkan. Kein Rauch auf der Straße, nur Flammen und Funkenflug wie dichtes Schneegestöber. Im Laufen sehe ich kaum erkennbar einzelne Menschen und Gruppen jammern umherirren … Die Hitze auf der Hammer Landstraße ist unerträglich. Ein Glas meiner Schutzbrille springt und fällt heraus. Die Luft wird sehr knapp. Ich laufe bis zur Erschöpfung, gegenüber von Rumpfsweg sehe ich noch Menschen sitzen. Instinktiv werfe ich mich dorthin. Einige Menschen liegen … schon regungslos. Die Sitzenden wimmern apathisch vor sich hin. Auf meine Anrufe reagieren sie gar nicht.
Ich liege mit dem Stahlhelm gegen den Wind am Kantstein. Gesicht und Hände muss ich mit meiner Mütze verbergen. Abwechselnd muss ich mit einer Hand die sengende Kleidung löschen…
Krise, die ca. 1 ½ Stunden dauerte (03.00-4.30 Uhr). Ich sog den Sauerstoff direkt vom Pflaster ab. Dieses wurde mit der Zeit so heiß, dass ich Brandverletzungen an der Nase, den Atmungswegen und den Knien bekam alle umliegenden Menschen starben. Bei den weiblichen Personen fing die Kleidung teils Feuer, so dass sie im Nu wie entkleidet dalagen … Die Austrocknung der Körper war enorm …“[3]
An den astrologischen Chronisten ergeht die Frage, kann das absolut und schrecklich Außergewöhnliche dieser Nacht dem Horoskop dieser Nacht angesehen werden, zur Lehre – nicht zur Unterhaltung ?



27.7.1943, 0:55 MESZ,  22.55 Uhr UTC, Hamburg
 („Um 00.55 Uhr (MESZ) wurden 15 „Salven“ gelbe Zielmarkierungen nach H2S-Anzeige abgeworfen“)

Der erste Grad der Zwillinge steigt am östlichen Horizont auf: Stunde des Luftelements. Merkur empfängt Quadratresonanz von Mars, der mitten im Brennbaren des Stiers weilt. Merkur im vierten Haus - Heim und Herd - mit Sonne, Pluto und Jupiter. Sonne und Jupiter, die zwei anderen Herren des Feuers, zusammen mit Mars/Merkur, alle Gewalten des Feuers, unter Zufuhr der nötigen Luft, im so verletzlichen vierten Haus der Wohnungen der Lebenden. Und das vierte Haus beherrscht von einem Mond/Saturn, der dem Zwillingsmerkur Untertan ist und der die Venus - allgemein: alles Brennbare – durch (Quadrat-)Resonanz mit hineinzieht ins Geschehen. Das ist in dürren Worten das astrologische Szenario der Katastrophe.
Die Verbindung Sonne/Pluto/Jupiter bedarf noch einer Bemerkung hinsichtlich Plutos. Dieser Herr des Skorpions ist ja, wie schon oft bemerkt, für unsägliche Leiden „verantwortlich“. In Wirklichkeit sind es natürlich immer wieder wir selber, die die Räderwerke des Unbeschreiblichen in Gang gesetzt haben. Pluto bezieht seine Brisanz als Herr des Skorpions aus der Lage dieses Zeichens. Von den vier Funktionen des Bewusstseins, wie sie C.G.JUNG unterscheidet, untersteht ihm die Intuition, jenes Auftauchen von fertigen Vorstellungskomplexen im Bewusstsein aus dem scheinbaren Nichts. In dieser Funktion, die Skorpion mit Waage und Schütze teilt (jetzt verkürzt auf den „männlichen“ Tierkreis), untersteht ihm die „Fixierung“, das um so fanatischere Festhalten am Vorstellungsbild, als die gleichzeitig vorhandene Stimme des Zweifels letztere in Frage stellt.
Im gesellschaftlichen Leben untersteht dem Skorpion eine unglaubliche Macht: es die Macht des Verzichts auf Leben. Skorpion verneint den Genuss der Materie (=Stier), die Lust am Leben(=Löwe), und die Freiheit der Erfahrung (=Wassermann). Damit ist die ideale Verkörperung von Skorpion/Pluto der sog. „Arbeitgeber“ ( der ja in Wahrheit ein Arbeitnehmer ist), der Lebenszeit kauft von seinen Beschäftigten, Lebenszeit, in welcher sie auf Stier/Löwe/Wassermann verzichten müssen. Die ungeheuerliche Produktionsmaschinerie aller Länder aus der Flugzeuge, Bomben, Treibstoffe usw. entstehen, um in unserem Zusammenhang zu bleiben, inklusiver der exakten Planungen (Vorstellungen!) ihrer Einsätze, das ist Pluto/Skorpion. Und der Jupiter am 28.Juli 1943 in Konjunktion zum Pluto/Sonne, das ist die Fügung all der einzelnen Komponenten zu einem runden Ganzen, denn Jupiter ist der Füger, der Monteur des Schicksals, wie Wolfgang Döbereiner Ende der achtziger Jahre gelehrt hat (Flumserberger Seminare).
In der vergangenen Woche zeigte im ersten „Gomorrha“ –Artikel das Äquinoctium 1943 für Hamburg, dass Pluto am Aszendenten diesen Ort zum Zentrum der politisch/wirtschaftlich/ideologischen Katastrophe bestimmt hatte.

Hier soll nun ein Blick auf das Septar der Königskonjunktion jenes Elements folgen, welches im Hamburg dieser Monate des Jahres 1943 die Hölle geöffnet hat: es ist das 49. Solar/Septar der Königskonjunktion im Feuerelement von 1603 aus dem Jahre 1651, welches für die Angelegenheiten des Feuers in Hamburg in der Zeit von 1939 –1946 zuständig ist.


Nach dem Ebengesagten, betreffend viertes Haus und Pluto erübrigt es sich hier, Deutung über Gebühr anzuhäufen. Seit Juni 1943 gebot Neptun: Auflösung und Neubeginn.
Und das Erdelement, die Welt der Körper, wie sah in ihr, Hamburg betreffend, das Drehbuch aus?
21. Septar der Königskonjunktion im Erdelement von 1802, vom 17.7.1822, für Hamburg gültig von 1942 bis 1949

Man sieht, ab Februar 1943 war in der oberen Reihe Jupiter zuständig, der im vierten Haus eigentlich manierlich steht – aber in der unteren Reihe, im Spiegel des Realen des zweiten Hauses herrscht Neptun und Pluto ist hier nach fünf von sieben Monaten, also im Juli, erreicht an seinem Standort auf 0,8° Widder, dem Ort Entzündung.
Schließlich aber haben wir ja noch jenen Filter, der die Planeten und Lichter des Tages in der Resonanz zu den Konstellationen der Menschheit zeigen, wie sie seit Jahrhunderten im Guten wie im Schlimmen die Verkettungen der realen und symbolischen Mächte zeigen. Diese Verkettungen, zeigen das Massenschicksal und sein Grauen und sie zeigen die Lebensformeln der vier Elemente oder, wenn man so will, die Drehbücher für Monate und Jahre.


27.7.1943, UTC 22.55, Hamburg, in den Resonanzen der Königskonjunktionen der vier Elemente.

Unmissverständlich zeigt hier der Moment /Aszendent im ersten Grad Zwillinge – die volle Mars Resonanz auf 0,3° Fische. Grünes Feuer also, „Seelenfeuer“ zeigt diese seltsame



25.12.1305, jüngste Königskonjunktion im Wasserelement

Resonanz im Moment des äußeren Infernos. Die Deutschen, die so vielen Nachbarn schon das Inferno gebracht hatten, erhielten es nun als äußeres, technisches Feuer zurück. Aber in Wahrheit geht es im Wasserelement immer um Gefühle, im Falle von Mars um inneres Feuer. Das Geschehen beginnt, aus dem Moment der Resonanz auf 0,3° Fische, als Neuanfang, als Neugeburt, als Türöffner im Zeichen des Schwachen, im Zeichen des Kindes, als elementare Wut. Ein Zeitalter der Güte (Fische) begehrt Einlass, das ist die paradoxe Wahrheit des Moments/Aszendenten der Hamburger Feuersturmnacht. Und das furchtbare Verhängnis des Massenschicksals zeigt sich: dass Massen sich immer an Orten der Stärke sammeln, Stier = die Burg, die Stadt, und nie an den Orten der Schwäche die daher harmlos, köstlich und einsam sind.
Im Stier aber zündet am Juli - Ende 1943 Mars in unmittelbarer Resonanz mit dem, dem das Luftelement dient: dem "roten" Uranus des Feuerelements auf 14,1° Stier, dem Uranus des Zorns. Und für alle Zeiten gilt: Uranus "haßt" Massen und schützt den Einzelnen, denn Uranus ist der Gott des Menschen. Und Mensch wird und ist man nur als Einzelner.
„Wir haben das Schwerste hinter uns, das Schwerere zählt dagegen nicht. Es ist nicht so schlimm. Ich habe dieses Wort von einem gehört, der nicht wusste, dass er es sagte. Er war einer der Unzähligen, jeder andere hätte es auch sagen können. Er erzählte mir von seiner Nacht, die ihn vernichten wollte. Er tat es in der Art, die wir alle haben, wenn wir davon sprechen. Es genügen fünf Töne. Der Verstand sagt, wie klingt das traurig. Aber es ist nicht traurig, es ist nur einfach so. Traurig ist nur der Verstand, weil er Flügel zu haben glaubt, und stürzt doch immer wieder ab.
Und der es mir erzählte, wusste nicht, dass er in seiner bilderlosen Sprache ein Bild schuf, wie es kein Dichter schaffen kann. Er sagte:
Dann kam einer zu uns in den Keller und sprach: Ihr müsst jetzt herauskommen, das ganze Haus brennt und wird gleich einstürzen. Die meisten wollten nicht, sie meinten, sie wären dort sicher. Aber sie sind alle umgekommen. einige von uns hörten auf ihn. Doch es gehörte viel dazu. Wir mussten durch ein Loch hinaus, und vor dem Loch schlugen immer die Flammen hin und her. Es ist gar nicht so schlimm, sagte er, ich bin doch auch zu euch hereingekommen. Da wickelte ich mir eine nasse Decke um den Kopf und kroch hinaus. Dann waren wir hindurch. Einige sind dann auf der Straße noch umgefallen Wir konnten uns nicht um sie kümmern.
Geschrieben November 1943“[4]
Gespeichert: UTC 17.00, gepostet: 17.52.

[1] Hans Brunswig, Feuersturm über Hamburg, Stuttgart 1983, S. 211.
[2] ebd.S. 225.
[3] ebd. S. 226f.
[4] Hans Erich Nossack, Der Untergang, Hamburg 1981, S. 139f.

Freitag, 25. Juli 2008

Hamburg 1943 - der Untergang

Nach einem insgesamt mäßig warmen Juli begann am 25. des Jahres 1943 eine subtropische Woche mit wolkenlosem Himmel und warmen Nächten. Aber am Sonntagmorgen des 25. heute vor 65 Jahren, ging über Hamburg die Sonne nicht auf. Die Stadt lag unter einer Kilometer hohen Staub- und Qualmwolke.
Eine halbe Stunde nach Mitternacht, um 0:33 hatten die Sirenen zu jaulen begonnen und bis zur Entwarnung um 3:01 hatten 791 britische Bomber und Kampfflugzeuge damit begonnen, die Millionenstadt an der Unterelbe an vier folgenden Nächten auszulöschen. Das Unternehmen trug den Namen „Gomorrha“.


















Der Amoklauf der zum kollektiven Verbrecher gewordenen deutschen Nation hatte die ums Überleben in Würde und demokratischen Freiheiten dienenden Flieger der Alliierten ihrerseits in riesige Geschwader entschlossener Todesengel verwandelt. Vierzigtausend Hamburger Mütter, Kinder, Alte waren gezeichnet. Ihre letzte Lebenswoche war angebrochen. Dreimal so viele gingen wochen-, monate- und manchmal lebenslangen Qualen entgegen.

Äquinoctium 21.3.1943,
  11:57 UTC
Hamburg




Das Äquinoctium zeigt für einen Ort auf der Nordhalbkugel seine Stellung unter den Gestirnen zum Moment, wo die Mitte der Sonne den 0° Breitengrad = Äquator überquert von der Süd- auf die Nordhalbkugel.
Die Gestirnung über Hamburg am Äquinoctium 1943 hatte nichts Gutes verheißen: Pluto, der Gott, der den Zeitanteil der kommenden Generationen (und der Gestorbenen) in uns hütet, der darum ungerührt Gegenwart entzieht, dieser Gott war am 21.3.1943 in die Stadt gekommen. Sie war gezeichnet, als Opferstätte für den ganzen Umkreis.
Wer möchte schon Ort der Sühne sein in einer Zeit so großer, zum Himmel schreiender Schuld?
Und nicht nur Pluto auf dem Aszendenten gemahnte an die Schuld den Gestorbenen und den Ungeborenen gegenüber. Auch Aszendent Löwe ist kein lieblicher Ort in Zeiten großer Schuld gegen Götter und Menschen, wenn die Sonne in der Resonanz  einer Konjunktion, Opposition oder eines Quadrats mit Neptun steht,  denn immer bedeutet diese Resonanz:
Neptun = völlige Auflösung und Neubeginn an einem Ort = Sonne =Löwe-Aszendent.

Am 21. Juli wanderte der Rhythmus des Äquinoctiums, wie die Wellen eines Steins, der ins Wasser gefallen ist, nämlich nach allen Seiten,
  • in der oberen Hälfte, des Tier-/Meß-/Kreises ins achte Haus  das Fische-Regiment des Neptuns,
  • im Spiegel dazu in der unteren Hälfte erreichte er den Skorpion
Damit war die verhängnisvolle Zeitgleichung erreicht:
Pluto = Aufhebung der Zeit an diesem Ort

Der Hamburger Dichter Erich Nossack wurde unfreiwillig zum Chronisten des Gerichts über diese Stadt und ihre Bewohner. Eine Intuition hatte ihn und seine Frau Misi in der Mitte der Woche vor dem Untergang der Stadt an den Rand eines kleinen Dorfes in der Heide südlich von Hamburg verschlagen, wo ,länger als geplant, nämlich die folgenden Wochen, in einer Gartenhütte lebten:
„In der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag weckte Misi mich. Sie rief von oben: „Hörst du es gar nicht? Willst du nicht lieber aufstehen?“ Ich hatte den Alarm verschlafen; in der Heide hört man die Sirenen, die irgendwo in fernen Dörfern wie Katzen durcheinander heulen, nur, wenn die Windrichtung günstig ist. außerdem hatten wir uns die ganzen Jahre daran gewöhnt, nicht schon bei Alarm das Bett zu verlassen, sondern erst, wenn stärkeres Abwehrfeuer einen tatsächlichen Angriff vermuten ließ; eine Gewohnheit, die vielen das Leben gekostet hat.
Ich wollte auch diesmal eine unwillige Antwort geben und mich auf die andere Seite drehen, da hörte ich es. Ich sprang auf und rannte barfuß ins Freie, in dieses Geräusch hinein, das wie eine drückende Last zwischen den klaren Sternbildern und der dunklen Erde schwebte, nicht da und nicht dort, sondern überall im Raume; es gab keine Flucht davor.
Im Nordwesten zeichneten sich die Hügel diesseits und jenseits der Elbe vor der schmalen Dämmerung des vergangenen Tages ab. Lautlos duckte sich die Landschaft an den Boden, um nicht gefunden zu werden. Nicht weit entfernt stand ein Scheinwerfer; man hörte Kommandorufe, die sofort jeden Zusammenhang mit der Erde verloren und im Nichts zerflatterten. Nervös tastete der Scheinwerfer den Himmel ab, manchmal traf er sich mit anderen Zeigern, die gleich ihm im weiten Ausschlag pendelten; dann bildeten sie für einen Augenblick geometrische Figuren und Zeltgerüste, um erschrocken wieder auseinander zu fahren. Es war, als söge dies Geräusch zwischen Himmel und Erde ihr Licht auf und machte sie sinnlos. Aber die Sterne leuchteten wie im Frieden durch das unsichtbare Unheil hindurch.
Man wagte nicht, Luft zu holen, um es nicht einzuatmen. Es war das Geräusch von achthundert Flugzeugen, die in unvorstellbaren Höhen von Süden her Hamburg anflogen. Wir hatten schon zweihundert oder auch mehr Angriffe erlebt, darunter auch sehr schwere, aber dies war etwas völlig Neues. Und doch wusste man gleich: es war das, worauf jeder gewartet hatte, das wie ein Schatten seit Monaten über allem unseren Tun lag und uns müde machte, es war das Ende. Dies Geräusch sollte anderthalb Stunden anhalten, und dann in drei Nächten der kommenden Woche noch einmal. Gleichmäßig hielt es sich in der Luft. Gleichmäßig hörte man es auch dann, wenn sich das viel lautere Getöse der Abwehr zum Trommelfeuer steigerte. Nur manchmal, wenn einzelne Staffeln zum Tiefangriff ansetzten, schwoll es an und streifte mit seinen Flügeln den Boden. Und doch war dies furchtbare Geräusch wieder so durchlässig, dass auch jeder andere Laut zu hören war: nicht nur die Abschüsse der Flak, das Krepieren der Granaten, das heulende Rauschen der abgeworfenen Bomben, das Singen der Flaksplitter, nein, sogar ein ganz leises Rascheln, nicht lauter als ein dürres Blatt, , das von Ast zu Ast fällt, und wofür es im Dunkeln keine Erklärung gab. […]
Ich ging in jenen Nächten auf und ab auf dem schmalen Streifen zwischen dem Gemüsegarten und dem Drahtgitter, das das Grundstück einzäunte; dort war der Blick nach Norden frei. Manchmal stolperte ich über einen Maulwurfshügel; einmal fiel ich hin, weil sich mein Fuß im Himbeergebüsch verwickelt hatte.
Was es für die Augen zu sehen gab, war wenig und immer das gleiche. Es ist auch nicht das wichtigste. Über Hamburg standen zahlreiche Leuchtschirme, die der Volksmund Tannenbäume nennt. Manchmal zehn Stück, manchmal nur zwei oder einer, und wenn einmal keiner zu sehen war, schöpfte man Hoffnung, dass es vorbei wäre; bis wieder neue abgeworfen wurden. Viele lösten sich auf, während sie nieder sanken, und es sah aus, als flössen glühende Metalltropfen vom Himmel auf die Städte. Anfangs konnte man diese Leuchtschirme verfolgen, bis sie am Boden verlöschten; später verschwanden sie in einer Rauchwolke, die durch die Feuer der Stadt von unten her rot angestrahlt war. Die Rauchwolke wuchs von Minute zu Minute und kroch langsam nach Osten. Ich achtete nicht, wie bei früheren Angriffen, auf die Richtung der Scheinwerfer und die Brennpunkte des Abwehrfeuers. Die Leuchtspuren der kleinen Flak sah man nur ganz zart, und die Granaten der schweren Geschütze explodierten überall. Nur wenn das Feuer genau über mir lag und die Splitter pfeifend und klatschend in nächster Nähe zur Erde kamen, trat ich unter das Dach der Veranda. Einige wenige Flugzeuge gerieten in Brand und fielen wie Meteore ins Dunkel. Aber es erweckte kein jägerisches Interesse wie früher. Wo sie aufschlugen, erhellte sich die Gegend für Minuten. Einmal stand der Schattenriss einer fernen Windmühle vor einer solchen weißen Helligkeit. Das Gefühl grausamer Befriedigung über einen abgeschossenen Feind blieb aus. Ich entsinne mich, dass bei einer solchen Gelegenheit irgendwelche Weiber auf dem Dache des Nachbarhauses in die Hände klatschten, und wie ich damals voller Zorn der Worte des Odysseus gedachte, mit denen er der alten Pflegerin über den Tod der Freier zu jauchzen verbot:
Freu dich, Mutter im Herzen; doch halte dich,
dass du nicht frohlockst!
Über erschlagene Menschen zu jauchzen, ist
grausam und Sünde.

Aber nun war nicht mehr die Zeit, wo man mit so kleinlichen Unterschieden rechnete wie dem zwischen Freund und Feind. Und plötzlich war alles in das milchige Licht der Unterwelt getaucht. Ein Scheinwerfer hinter mir suchte falsch über dem Erdboden. Ich wandte mich erschrocken um, und da sah ich, dass selbst die Natur im Hass gegen sich selbst aufgestanden war. Zwei stammlose Kiefern hatten den friedlichen Bann ihres Daseins durchbrochen und sich in schwarze Wölfe verwandelt, die gierig nach der blutenden Mondsichel sprangen, die vor ihnen aufging. Die Augen leuchteten weiß und Geifer troff ihnen aus den gefletschten Mäulern.
War mir, der ich irgendwo im Nichts auf und ab ging, körperlich und ohne die Kraft eines Gedankens, war mir dieser Hass nicht bekannt? habe ich ihn nicht bewacht jahrzehntelang und mich gegen seinen Ausbruch gestemmt? Habe ich nicht gewusst, dass er eines Tages ausbrechen würde, und habe ich nicht auch diesen Tag herbeigesehnt, weil er mich endlich von der Aufgabe des Wächters erlösen würde? Ja, ich habe, wie ich es jetzt weiß, immer gewusst, dass es sich bei dem Schicksal der Stadt um mein Schicksal handeln würde. Und wenn es so ist, dass ich das Schicksal der Stadt herbeigerufen habe, um mein eigenes Schicksal zur Entscheidung zu zwingen, so habe ich auch aufzustehen und mich am Untergang der Stadt schuldig zu bekennen.
Wir haben uns alle mit dem Gedanken einer Sintflut beschäftigt, die Zeitereignisse brachten es mit sich. Hieß das nicht schon die Vergangenheit im Stich zu lassen? Und wie viel geistreiches Geschwätz, wie viel Prahlerei war noch dabei; denn wenn wir uns ernsthaft die Frage vorlegten, was wir über eine morgige Sintflut hinüberretten wollten, um es den Überlebenden zu erhalten, wo war dann etwas, das uns so notwendig schien, dass wir uns bis zum letzten Atemzuge dafür eingesetzt hätten? Woran glaubten wir so stark, dass die Mächte der Zerstörung diesen Glauben anzurühren scheuten, um nicht dem, was sie zerstörten, zum ewigen Leben zu verhelfen? Was von all den Dingen, die wir gebrauchten und die uns belasteten, war denn noch unser? Ich wage heute an der Lauterkeit der Motive derer zu zweifeln, die vor der Katastrophe warnten und zur Vorbereitung aufriefen. Wünschten sie nicht vielleicht die Katastrophe herbei, um andere auf die Knie zu zwingen, während sie selbst sich im Chaos beheimatet fühlten? Und trieb sie nicht die Lust, sich selbst zu erproben, aber auf Kosten des vertrauten Daseins?
Ich habe bei allen früheren ngriffen den eindeutigen Wunsch gehabt: Möge es recht schlimm werden! So eindeutig, dass ich beinahe sagen möchte, ich habe diesen Wunsch laut gegen den Himmel ausgerufen. Nicht Mut, sondern Neugier, ob mein Wunsch in Erfüllung gehe, ist es gewesen, was mich niemals in den Keller gehen ließ, sondern auf dem Balkon der Wohnung gebannt hielt. Ich erwähne dies nicht, um mich durch seltsame Gespräche wichtig zu machen. Ich glaube, etwas aussprechen zu müssen, von dem ich vermute, dass es unzählige Männer ähnlich empfunden haben, nur dass sie sich dessen nicht bewusst waren, noch sich dazu bekennen würden. Man wird kommen und sagen: Dies ist immer so, und dies ist männlich: wir müssen zerstören, um zu zeugen. Wie aber, wenn die Erde spräche: Ich habe euch geboren, weil ich mich sehnte, mehr zu sein als Erde. Wo ist nun eure Tat? – Und wir werden dann nicht mehr die Kraft des Wünschens haben wie jener Indianer, der als letzter seines Stammes am Meerufer saß und rief: Was soll ich nun machen? Soll ich Orion werden?
Da wir nicht mehr an uns glauben, was sind wir dann noch? Ausgehöhlt von einer lasterhaften Nacht. Reden wir doch nicht von Aufrechtstehen und Zeugen! –
Aber nun war der Hass außer mir, und ich war frei davon. Ich wankte am Ufer der zerstörten Welt auf und ab, und es stöhnte durch mich hindurch: Ach Gott? Ach Gott? so laut, dass Misi es trotz des Getöses des Untergangs vernahm und unter der Erde nach mir rief. Und ich lief dann für einen Augenblick zu ihr und sagte: Das ist nicht mehr zu ertragen. Wir lehnten uns aneinander, nur lose, und voller Scheu, unsere Ohnmacht offenbarer werden zu lassen. Wie zwei Pferde, die im gleichen Geschirr waren, und das eine legte den Kopf auf den Nacken des Gefährten, und dann schüttelten beide mit scheinbarem Unwillen die kurze Zärtlichkeit von sich ab. Ich lief wieder hinaus und ließ Misi allein. Wäre es nicht besser gewesen, ich hätte im Kellerdunkel bei ihr gesessen, und durch ein wenig gemeinsame Körperwärme würden wir uns eine Zuflucht vor dem Unwetter erträumt haben? Oder ich hätte ein Märchen erzählt, um einen Regenbogen über den Abgrund, an dem der Weg durch die verhasste Vergangenheit abbrach, zu spannen, ein Märchen, das so beginnt: Morgen, wenn alles vorbei ist, dann … Was in jenen Nächten von Menschen getan oder unterlassen wurde, das geschah oder unterblieb aus Ohnmacht.
Gegen halb zwei war das Gericht zu Ende. Aus einer unwirklichen Entfernung klang das Signal der Entwarnung herüber, so verschüchtert, als wage es nicht zu verlangen, dass jemand die Lüge glaube. Der Nordhimmel war rot wie nach Sonnenuntergang. Über die nahe Autobahn heulten die Sirenen der Feuerwehren, die aus den Nachbarstädten zu Hilfe eilten. Und damit setzte ein pausenloses Fahren auf allen Straßen der Umgebung ein, am Tage und nachts, diese Flucht aus Hamburg, ohne zu wissen wohin. Es war ein Strom, für den es kein Bett gab …
Hans Erich Nossack, Der Untergang, Hamburg 1981, S. 12 – 20,






















Gespeichert: UTC 19:40, gepostet: 19:51.