Donnerstag, 27. September 2007

Kopffüßler?

Ende des Mittelalters führte die Debatte, ob die Erde eine Kugel oder eine Scheibe sei, zu dem Argument, die uns gegenüberliegenden Bewohner einer Kugel, die Antipoden, würden ja herunterfallen von der Erde.
Der Augenschein hat ab dem fünfzehnten Jahrhundert die Europäer belehrt, dass dem nicht so ist.
Fünf Jahrhunderte hat der Mensch der Nordhalbkugel nun schon mit der Gegenwelt auf der „unteren“ (warum nicht der oberen?) Seite der Erd-Kugel zugebracht. Man weiß, oder kann wissen, dass „down under“ alles umgekehrt ist, wie bei uns: die Sonne geht rechts auf und wandert nach links, wenn man sie betrachtet, die Tiefs drehen rechts herum, die Hochs links herum im Süd-Uhrzeigersinn. Und, aber – da haben wir es: die Australier und Süd-Amerikaner benutzen unsere Nord-Uhren mit rechtsdrehenden Zeigern entgegen ihrem eigenen Sonnenlauf, sie benutzen den Nordkalender als Weltkalender usw.
Das Interessanteste aber ist, dass selbst die penibelsten Planeten-Ephemeriden einen Quatsch wiedergeben:
Äquinoctium für Buenos Aires nach der sonst superexakten Ephemeride von Dr. Alois Treindl & Astrodienst Zürich
23.9.2007, UTC 9:51 für 33.23° Süd und 58.32 West:


Buenos Aires liegt drei Stunden westlich von Greenwich, es ist also zur Zeit des Äquinoctiums dort 6:51 Ortszeit und die Sonne ist gerade aufgegangen. Die Zeichnung nach den Angaben der Ephemeride aber lässt die Sonne zwar im Osten aufgehen, aber Osten liegt eben auf der Südhalbkugel nicht links, sondern rechts, wenn man Äquatorwärts schaut.
Desgleichen ist das Zehnerl noch nicht gefallen, was die Kreise der Tagesstunden, der astrologischen Häuser und der Tierkreiszeichen betrifft:


Stundenorte der Sonne (schwarz) und astrologische Häuser (rot) auf der Südhalbkugel.
Da die Sonne in ihrer täglichen scheinbaren Bewegung rückwärts durch die Häuser läuft, tut sie das natürlich auch von der Südhalbkugel aus gesehen in entsprechender Weise, und der Tierkreis muss für den Südhimmel entsprechend gezeichnet werden.

Soviel zu den Stunden, Zeichen und Häusern der täglichen Himmelsbewegung.
Die himmlische Jahresbewegung wird bislang ebenso nordborniert betrachtet. Wenn im obigen Beispiel für Buenos Aires die Sonne, senkrecht über dem Äquator, auf 0° Waage steht, so hat man bislang unbekümmert am 23. September auch in Südamerika den Herbst beginnen lassen. Da kann ich mich nur wundern. Für mein Welt- und Himmelsverständnis bedeutet Frühling = Widder und sonst gar nichts; genauso ist Waage für mich der Code für den Naturzustand Herbst. Bei Eintritt der Sonne in den Widder beginnt am Pol der Tag, der dort ein halbes Jahr dauert und bei Eintritt in 0° Waage die Pol-Nacht. Ist es in der Antarktis etwa nicht Tag geworden, am letzten Wochenende, ist dort die Sonne nicht über den kreisrunden Horizont aufgestiegen?
Ergo kann zu Beginn des Süd-Frühlings die Sonne nur auf 0° Widder notiert werden. Wenn man sie für die Süd-Hälfte des Planeten auch auf Waage notiert, dann ist das so, wie wenn man meinte, die Südler würden mit dem Kopf laufen und mit den Füßen denken.
Daraus ergibt sich, dass nicht nur die Position der Sonne, sondern die Position aller Planeten und des Mondes umnotiert werden müssen auf die genau gegenüberliegende Position. Nur so bleibt Steinbock = Steinbock, nämlich Winter und Krebs =Krebs, also Sommer.
Aus dem Gesagten ergibt sich weiter, dass auch diejenigen Zeitenuhren der Äonen, die den Königskonjunktionen der vier Elemente entspringen, für die Süd-Halbkugel umnotiert werden müssen. Die Feuerkonjunktionen der Nordhalbkugel sind die Luftkonjunktionen der Südhalbkugel, und auch die Erd- und die Wasserkonjunktionen tauschen ihre Plätze. Es ergibt sich also bezüglich der derzeit gültigen Königskonjunktionen in den vier Elementen folgendes Bild:






















Wir auf der Nordhalbkugel sollten uns, so sehe ich das, generell betrachtet, zunächst um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern und denen im Süden in Ruhe ihre eigenen Uhren lassen. So gesehen, ist die Astrologie der eurasischen Kulturtradition eine Nord - Angelegenheit und aus den Zeitbetrachtungen der Inkas und der anderen indigenen Völker, oder der Aborigines, u.s.w., können sehr wohl eigene originäre Erd- und Himmelskalender  für die Südhalbkugel abgeleitet werden. Wenn aber, im Zeitalter des Welt-Stils, Weltkalender benutzt werden sollen, so sollte man sich immer dessen bewusst sein, dass das bürgerliche Süd-Neujahr am 3. Juli (Nord) zu beginnen hätte und nicht am 1. Januar, und das astronomische Sonnen - Jahr eben nicht am 20/21. März, sondern am 23. September.




 Äquinoctium, 23.9.2007, UTC 9:51, Jakarta


Zu genaueren Betrachtungen des neuen Süd - Äquinoctiums ist dann in kommenden Tagen und Wochen Gelegenheit.

Gespeichert: 14:56, gepostet: 22:22.

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